Laviebelle Frauen In meiner Nähe

Schreiben, wenn‘s auf der Zunge brennt

Pampers, Abwasch, Aufzucht – Stichwörter, die Nicole Althaus aus zweierlei Sicht kennt. Die zweifache Mutter ist nämlich Chefredaktorin des Magazins ‚wir Eltern‘. Was sie schreibt, wird am häufigsten von den Menschen gelesen, kommentiert und gebloggt,  die oft nicht einmal Zeit zum Haare waschen haben: Mütter. Denn Nicole Althaus‘ prägnante gesellschaftspolitische Statements provozieren. Oder besser: Sie regen den Denkmuskel an, auf welchem Weg auch immer, eine Ansicht offenbaren zu wollen. So einleuchtend die Themen auf den ersten Blick auch scheinen mögen, dank ihrer spitzen Feder und ihrer gesellschaftskritischen und selbstironischen Art werden sie fast zum Politikum. Und das ist auch gut so.

«Ich wehre mich gegen die Reduktion auf eine Rolle»

Frau Althaus, Sie haben während Ihrer beruflichen Laufbahn als Journalistin, Texterin und Konzepterin unter anderem den Mamablog des Tagesanzeigers lanciert und dafür gemeinsam mit Kollegin Michèle Binswanger den Journalistenpreis 2010 erhalten. Hat sich Ihr Image seither verändert?

Mein Image hat sich nicht verändert, aber ich werde heute sicher mehr wahrgenommen.  Als Autorin,  als politische Schreiberin, aber auch als schreibende Mutter.

Aus einem Ihrer Texte geht hervor, dass Karrieremütter verschrien sind. Ist das Ihrer Meinung nach eine Frage der sozialen Stellung oder trifft es alle berufstätigen Mütter?

In der Schweiz herrscht auch in Sachen Mütter Konkordanzpolitik. Man hat sich darauf geeinigt, dass ein bisschen arbeiten für Mütter ganz in Ordnung ist. Karriere machen aber auf Kosten der Kinder geht. Deshalb gelten hierzulande Hausmütter wie Karrieremütter als unbotmässig. Mir ist dieses ständige Bewerten von Lebensmodellen zuwider.

Sie schreiben auch über Tragikomisches, Glück oder Frust aus dem Familienleben. Verraten Sie uns eine Ihrer persönlichsten Pointen?

Dass es Tage gibt, an denen man sich nicht erinnern kann, warum man Kinder gewollt hat und Tage, deren Glück sich einem ins Herz brennt, wie ein vergilbtes altes Foto.

Sind Sie ab und an auch einfach ‚nur‘ Nicole – ohne Kinder, Partner, Job? Geht das überhaupt?

Natürlich geht das – nur nicht mehr so oft wie früher.

Worüber können Sie am besten lachen?

Über den gerade erst erwachenden Zynismus meiner älteren Tochter und über die kreative Hartnäckigkeit, mit der die Kleine um eine Katze gebettelt hat.

Wie nutzen Sie Ihre Freizeit?

Ich lese viel und sitze gern gemütlich mit guten Freunden zusammen.

Durch Ihren Beruf haben Sie die Möglichkeit, interessante Menschen kennen zu lernen. Wen wünschen Sie sich zu interviewen und wieso?

Michelle Obama. Um zu klären, wie viel Emanzipation die Rolle der First Lady verträgt. Hillary Clinton. Um zu klären, wie viel Emanzipation noch nötig ist für das Präsidentenamt.

Was denken Sie über Medienüberflutung?

Ich glaube nicht, dass in der Flut die Perlen untergehen. Und Kinder lernen heute schon sehr früh, im medialen Hochwasser zu schwimmen und nach ihnen zu tauchen. Das ist doch gar nicht schlecht.

Worüber sollten die Menschen, Ihrer Meinung nach, mehr lesen?

Was immer die Neugier weckt, ist spannend. Hauptsache es wird gelesen.

Bildquelle: Anne Gabriel-Jürgens

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